Di

03

Feb

2015

Doppelte Ironie bei Heine

Da gibt es dieses schöne Gedicht von Heine: Sie saßen und tranken am Teetisch. Es findet sich auf dem Buchdeckel, der alten Reclam – Ausgabe vom Buch der Lieder, noch aus DDR-Zeiten 1970, das bei mir im Schrank steht, und einen Schatz an wunderbarer Lyrik enthält.

 

Dieses schöne Gedicht von Heine ist im doppelten Sinne ironisch. Es ist gewissermaßen doppelbödig. Zum einen ironisiert Heine die bürgerlich-adlige Gesellschaft. Er ist da nicht einfach nur kritisch dem Adel gegenüber. Hofrat und Domherr sind keine dem Adel alleine vorbehaltenen Titel gewesen. Auch Goethe zum Beispiel war ein Hofrat, wenn ich das richtig einschätze.


Heine macht sich über diese dürre Gesellschaft lustig. Er läßt sie am Teetisch über die Liebe sprechen, die sie kaum mal richtig erfahren haben. Sie reden darüber wie eine Sache, die sie aus Büchern kennen, trocken, ängstlich, lebensfern. Sie nehmen der Liebe ihre Anmut. Das romantische Liebesideal, es scheint hier vielleicht bei der Gräfin als einziger durch, die von Passion spricht. Und auch die Hofrätin scheint mal Liebe wirklich gespürt zu haben, so scheint mir ihr „Ach!“ zu verstehen zu sein. Schlimm ist das Fräulein, die offenbar eine alte Jungfer ist. Denn sie hat von Tuten und Blasen keine Ahnung, und wir sie wohl auch nicht mehr bekommen.


Klar, dass dieses Gedicht nach einer Pointe ruft. Heine macht das meisterhaft in der letzten Strophe, wo er als Gegensatz seine eigene Geliebte, sein Liebchen, sein Schätzchen zur Sprache kommen läßt.


Doch er macht das nicht ohne sich auch von ihr zu distanzieren. Denn er spricht von der Liebe seines Liebchens, das er sich offenbar an diesem Tische ganz gut vorstellen kann. Er spricht nicht von seiner Liebe, auch nicht von ‚unserer‘ Liebe. Er spricht von „Deiner“ Liebe. Er sieht sich da nicht selber. Sein Schätzchen ist ihm nah, näher als diese ganze Gesellschaft zusammen. Aber wieder nicht so nah, dass er sich mit ihr zusammen dort sieht.


Und so distanziert sich Heine nicht nur vom dürren Liebesgerede der bürgerlich-adligen Gesellschaft am Teetisch, sondern auch von seiner eigenen Geliebten, die er, ganz Bohemien, in die Nähe von Naivität rückt. Vielleicht ist sie das. Vielleicht auch nicht.  Immerhin traut er ihr zu, über ihre Liebe zu reden, mit Leuten aber, die von Liebe keine Ahnung haben. Ihr traut er zu, zu dieser Gesellschaft eine Brücke zu schlagen. Für sich selber aber existiert eine solche Brücke nicht. 

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