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24

Jun

2016

Europäische Kriegsepoche vergessen


Unabhängig von der Knappheit des Ergebnisses der britischen Volksabstimmung oder der besonderen Bedeutung des Machtkampfes zweier Männer - Johnson und Cameron, ein Umstand stimmt bedenklich: Der eigentliche historische Grund für die Idee der institutionalisierten europäischen Zusammenarbeit, scheint bei dieser Entscheidung kaum eine Rolle gespielt zu haben: Frieden in Europa. 

 

Kein geringerer als Churchill hatte Europa den Weg zum Frieden nach den beiden schrecklichsten Kriegen, die Europa und die Welt je verwüstet haben gewiesen. Er hatte nüchtern analysiert, dass nur Versöhnung und Zusammenarbeit zwischen den europäischen Nationen solche Kriege würden in Zukunft verhindern können. Ihm war klar, dass nicht nur Deutschland der Verlierer war, sondern das ganze Europa. Selbst der Sieger konnte sich des Sieges nicht erfreuen, weil er genauso am Boden lag, wie der Verlierer. Also mußten solche Kriege in Zukunft verhindert werden. Und dafür bot sich an, gerade in jenen Bereichen eine enge Zusammenarbeit anzustreben, die bisher den Anlass kriegerischer Auseinandersetzungen geboten hatte: den wirtschaftlichen Interessen. 

 

So entstand schließlich mit der EU ein völkerrechtlich abgesichertes System des Ausgleichs der unterschiedlichen wirtschaftlichen Interessen jeden Landes. Natürlich war es bürokratisch, natürlich war es überreguliert, aber es funktioniert bis heute, und hat den Mitgliedsländern der Europäischen Union den längsten Frieden ihrer bisherigen Geschichte beschert. Und hat die Nachteile der EU mehr als ausgeglichen. 

 

Es sieht so aus, dass diese Bedeutung verblasst, dass bei den Menschen die Verheerungen und Verwüstungen der europäischen Kriege allmählich in den Hintergrund geraten. Den Briten zumindest sind andere Fragen wichtiger geworden. Ihr Mißmut gegen die Form der europäischen Zusammenarbeit begleitete ihre Mitgliedschaft in EWG und EU von Anfang an. 

 

Das ist nicht das Ende der europäischen Zusammenarbeit auf EU-Ebene. Aber es ist Wasser auf die Mühlen für alle Gegnern der europäischen Integration. Es wird schwer werden, die erreichten europäischen Standards zu bewahren. 

 

Es wird darauf ankommen, die Solidarität und das Zusammengehörigkeitsgefühl der EU-MItgliedsländer zu stärken. Dafür müssen von der EU Zeichen ausgehen, dass es ihnen gerade auch um die schwachen Länder geht. Denn ihr Schicksal entscheidet über unsere Zukunft. 

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